Der Tag der Tage – Honig schleudern

Waben entdeckeln mit der Gabel

Es ist soweit, ein weiteres Highlight und mein persönlicher Höhepunkt steht an! Heute war Honig schleudern angesagt. Aber fangen wir von vorne an:

Zunächst die Bienenflucht einlegen

Gestern trafen Toni und ich uns an der Ranch um die Bienenfluchten einzulegen. Wie bereits erklärt handelt es sich hierbei um einen praktischen Helfer damit sich am eigentlichen Schleudertermin nicht mehr so viele Bienen im Honigraum befinden. Die Bienenflucht wird anstelle des Absperrgitters zwischen dem zweiten Brutraum und dem Honigraum eingelegt. Natürlich gibt es auch andere Alternativen wie beispielsweise das Abkehren der Bienen, aber Toni stellt uns eben seine Methode vor. Außerdem haben wir heute alle erfreulich festgestellt, dass die Bienen ruhig im Brutraum sitzen und wir ohne Stress die Honigwaben entnehmen konnten. Die Bienenflucht an sich kann man mit einem Einbahnstraßensystem vergleichen. Die Bienen können über ein sagen wir Tunnel-System vom Honigraum in den Brutraum krabbeln, aber eben nicht mehr zurück in den Honigraum. So bleibt am nächsten Morgen ein (fast) leerer Honigraum zurück. Toni hat auch gleich die Gelegenheit ergriffen und einen prüfenden Blick auf unsere Völker geworfen. Dabei haben wir festgestellt, dass die Brutzellen in Manuelas Honigraum nun wieder leer sind und keine neue Brut hinzugekommen ist. Es bleibt weiterhin rätselhaft wie das Zustande gekommen ist. Aber ok, nun läuft es wieder in geregelten Bahnen. Bei den anderen Völkern konnten wir keine Aufälligkeiten feststellen. Nachdem alles fertig eingerichtet und überprüft wurde (hat insgesamt lediglich 10 Minuten gedauert) sind wir voller Vorfreude auf Morgen wieder nach Hause gefahren.

Honig, Honig, Honig!!!!

Und nun endlich, Samstag 09.00 Uhr, Treffpunkt an der Ranch! Bewaffnet mit unseren Kunststoffboxen stapfen wir gemeinsam zu den Bienen hinter.Arbeitsteilung ist nun angesagt. Zunächst habe ich die Waage kontrolliert. Leider nur 50 kg. Etwas weniger wie letzte Woche aber ok, so ist es eben. Die Bienenflucht hat das bewirkt was wir uns erhofft haben. Es waren vielleicht 3-4 Bienen auf den Rähmchen. Jeder sammelt nun seine Honigwaben ein. Toni und Elias bleiben bei den Bienen und beginnen mit der regulären Durchsicht. Manuela, Erik, Frederik und ich, wir fahren mit dem Honig im Gepäck zur Mosterei. Dort wartet bereits Renate, Tonis liebevolle Frau, auf uns um mit uns den Honig zu schleudern.

Die Durchsicht der Völker

Bei der Durchsicht sollte nach der Königin bzw. frischen Eiern Ausschau gehalten und Weiselzellen ausgebrochen werden. Nicht so bei Manuela, da dort weder die Königin noch frische Eier zu finden waren. Da muss jetzt aus den Weiselzellen die junge Königin schlüpfen. Beim Volk von Frederik konnte er frische Eier finden – leider nicht die junge ungezeichnete Königin.
Bei der Durchsicht soll im Brutraum Platz geschaffen werden. Randwaben mit Honig hängen wir in den Aufsatz – in die Mitte. Dort können sie weiter befüllt und bei der zweiten Schleuderung geerntet werden. Sollte dagegen nach der Schleuderung eine Woche Regenwetter kommen, haben die Völker noch Futterreserven. In den Brutraum hängen wir leere Waben. Die frisch ausgeschleuderten eignen sich hervorragend, da sie sofort zur Eiablage genutzt werden. 
Drohnenrahmen können nochmal ausgeschnitten werden und schaffen so auch zusätzlich Platz. Dunkle Waben mit Brut sollten langsam in den untersten Brutraum umgehängt werden, da diese nach dem Abschleudern entnommen werden (dazu später mehr).
Damit schaffen wir einen Aufbau in den Völkern, der der Entwicklung jetzt zum absoluten Höhepunkt der Entwicklung entspricht. Die Schwarmzeit geht zu Ende und wir können die Kontrollabstände wieder vergrößern.

Schleudern in der Mosterrei

Alles steht bereit. Der Boden wurde mit Folie ausgelegt damit wir nicht alles verkleben. Die Schleuder ist sauber und die Sieben und der große Eimer auch. Ich bin so aufgeregt, das ist Wahnsinn!! Renate ist so lieb und erklärt uns nun alles Wichtige! Zuerst hat sie uns das Entdeckeln der Honigwaben mit den Entdeckelungsgabeln gezeigt. Mit Gefühl schiebt man die Gabel über die Waben und entfernt somit die Wachsdeckel. Die Honigwabe wird dabei auf ein Gestell gestellt und dann mit der linken Hand (wenn man Rechtshänder ist) am linken Rand festgehalten sodass sie nicht kippt oder wegrutscht und mit der rechten Hand fängt man an von rechts nach links die Waben zu entdeckeln. Wichtig hierbei ist es die Stabilisierungshand so zu halten, dass falls man aus Versehen mit der Gabel abrutscht sich diese nicht in die andere Hand rammt! Und glaubt, mit, die Gabeln sind spitz!! Uns stehen 5 Gabeln zur Verfügung. Die einen mit einem eher flacheren Winkel, die anderen spitzer, welche mit Holzgriff, andere wiederum mit einem Plastikgriff. Wir sollen alle ausprobieren damit wir ein Gefühl dafür bekommen und so herausfinden mit welcher Gabel wir am liebsten arbeiten. Mein Favorit ist eine eher flachere Gabel mit einem dicken Holzgriff. Die liegt gut in der Hand!

Kaum entdeckelt läuft der Honig raus. Alles glänzt und ein leichter Honigduft umweht meine Nase. Lecker!

Sind beide Seiten entdeckelt kommt die Wabe in die Schleuder. Bis zu 4 Waben können gleichzeitig geschleudert werden. Es gibt natürlich verschiedene Ausführungen von Schleudern. Hier muss sich einfach jeder selbst schlau machen. Man muss auch darauf achten, dass immer in etwa gleich schwere Waben in die Schleuder gesetzt werden. So werden alle Waben gleich ausgeschleudert und es geht kein Honig verloren. Der Schleudervorgang erfolgt immer in zwei Richungen. Je nachdem wie schwer die Waben sind braucht man drei bis fünf Minuten pro Seite. Wenn noch Honig an den Rand der Schleuder spritzt lässt man die Waben lieber noch ein paar Runden drehen.

Nun endlich fließt der Honig aus der Schleuder! Flüssiges Gold! Wie verführerisch er aussieht! Herrlich!

Um die Wachsreste und andere Unreinheiten aus dem Honig zu filtern durchfließt er zwei mit unterschiedlichen Maschenbreiten versehene Siebe und anschließend in den Honigeimer. Man muss immer darauf aupassen das nichts überläuft! Sonst war das Filtern völlig umsonst.

Nachdem wir alle Waben entdeckelt und ausgeschleudert, die ganzen Untensilien gewaschen und den vollen Honigeimer verschlossen haben sind wir zurück zu den Bienen. Wir haben den Honigraum mit den leeren Waben wieder aufgesetzt und unsere Völker kontrolliert. Die Bienen sind völlig ruhig und wir konnten nichts aufälliges entdecken.

Jeder von uns hat auch ein Probeglas, direkt von der Schleuder abgefüllt, bekommen! Hier müssen wir jetzt beobachten wann der Honig anfängt zu kristallisieren. Das ist dann der Zeitpunkt andem man anfangen muss den Honig zu rühren, damit er schön cremig und streichfähig wird. Wann der Zeitpunkt gekommen ist hängt von den Blütenpollen ab.

Zwischenfazit – Tonis erster Eindruck vom Honig

„Der zuletzt geschleuderte (im kleinen weißen Kübel) ist wesentlich dunkler als um diese Jahreszeit üblich. Hier ist außer den üblichen Nektaren von Weide, Löwenzahn, Obstbaumblüte und Raps noch was anderes dabei. Ich tippe darauf, dass hier die Eiche eine Rolle spielt. Dieser Honig ist auch bereits eingetrübt, sodass ich denke, dass die ersten Zuckerkristalle kandieren. Ich habe ein Glas zur Beobachtung in der Küche, damit ich den richtigen Zeitpunkt zum Rühren erwische.

Wenn der Honig nun ca. zwei Tage bei Zimmertemperatur steht, dann steigen alle Luftbläschen und kleinste Wachspartikel auf und bilden oben eine Schaumschicht. Diese schöpfe ich dann ab und damit ist der Honig soweit geklärt, dass er verkaufsfertig ist. Das Rühren beeinflusst dann nur noch die Konsistenz des kandierten Honigs – entweder mit groben Kristallen oder feincremig. Aber dazu das nächste Mal mehr. Ich werde ein Glas aus der Gesamtmenge zur Vollanalyse einsenden. So erhalten wir einen genauen Einblick in die Zusammensetzung unserer Ernte. Weitere Infos dazu findet ihr auf den Seiten des Tiergesundheitsdienst Bayern Vereins.“

Aber jetzt lassen wir uns erst einmal den Honig schmecken – in diesem Sinne – bee a sweet tooth