Die Kunst des Zeichnens

Ausgeschnittener Drohnenrahmen

Während der Arbeit um, an und mit den Bienen lernt man unwahrscheinlich auf die Natur und sein Umfeld zu hören. Treffpunkt war wie immer der Parkplatz vor der Ranch. Nachdem wir uns alle begrüßt haben, hat Toni uns aufgefordert still zu sein und zu lauschen. Tatsächlich – direkt über uns in den großen Eichen summte und brummte es kräftig! Das war mir zuvor noch nie aufgefallen. Die Pollen- und Nektarspender stellen ihr Angebot nicht kontinuierlich den Tag über zur Verfügung, sondern meist nur zu bestimmten Stunden. So kann es sein, dass am Vormittag die Eichen ein attraktiver Standort für die Bienen sind, am Nachmittag jedoch nicht. Wenn man das Diagramm des Waagstockvolkes in Schwabmünchen anschaut, dann hat es dort erst am späten Nachmittag gehonigt. Unterschiedliche Standorte – unterschiedliche Bedingungen und Angebote eben.

Waagstock

Die Mischungs macht´s – der Smoker

Danach haben wir uns über verschiedene Mischungen für den Smoker unterhalten. Fragt man Google, so kommt man mit tausend verschiedenen Möglichkeiten zu dem Schluss doch besser auf seinen Imkerpapa zu hören 🙂 Fertigmischungen gibt es natürlich reichlich, aber das Selbermachen ist die eigentliche Kunst und der Spaß an dem Hobby! Man muss bei der Mischung darauf achten leicht brennbare Kräuter und etwas festere Materialien (wie beispielsweise Walnussschalen) zu verwenden, damit über eine längere Zeit eine Glut herrscht, ohne ständig den Blasebalg betätigen zu müssen. Toni verwendet dabei eine Mischung aus Lavendel, Melisse- und Pfefferminzstängel, Nussschalen, Maiskolbenreste und Bucheckern. Ab jetzt heißt es Augen auf in der Natur. Es ist alles vorhanden, man muss nur wissen wo man suchen muss. Ich kann aus Erfahrung nun auch sagen, dass Tonis Mischung wirklich sehr angenehm riecht und auch nicht in den Augen brennt. Wichtig ist aber alle Kräuter und Co. gut trocknen zu lassen und luftdicht aufzubewahren damit sie nicht schimmeln.

Zwischen Fingerspitzengefühl und Panickattacke – Königinnen zeichnen

Heute hieß es „Fingerspitzengefühl beweisen“. Toni hatte eine Könnigin aus einem Schwarm eines Imkerkollegen dabei. Sie befand sich in einem Käfig, der mit Futterteig verschlossen war, damit die Bienen nicht sofort Kontakt mit der Königin haben und sie sich somit erst einmal gegenseitig „beschnuppern“ können. Das ist sicherer für die Königin und stressfreier für das ganze Volk. Darüber hinaus erlaubt es auch einen recht einfachen und unkomplizierten Transport einer Bienenkönigin. Befreit wird sie indem der Futterteig aufgefressen wird. Danach kann die Königin aus dem Käfig krabbeln und wir können den leeren Käfig beim nächsten Mal wieder heraus nehmen. Mit der Königin, einer Brutwabe mit Bienen, einer Futterwabe und einer Mittelwand haben wir einen weiteren Ableger gebildet. Hoffentlich klappt alles!

Bevor wir die Königin allerdings in den Ablegerkasten setzen, muss sie gezeichnet werden. Das übernahm Gottseidank Toni persönlich! Wir haben einen kleinen Tisch aufgebaut und dort alle notwendigen Sachen platziert. Auch hier gibt es wieder viele verschiedene Methoden eine Königin zu zeichnen. Es muss jeder Imkern für sich selbst heraus finden welche Methode einem liegt und wo man sich am wohlsten fühlt. Toni hat eine Art Fang- und Fixiergitter (klingt viel schlimmer als es ist) mit der er die Königin auf dem weichen Schaumstoff fixieren kann um das Farbplättchen aufzukleben. Da die Königin 2018 geschlüpft ist (nehmen wir zumindest an) bekommt sie ein rotes Plättchen. Dann der erste Schock (für mich!): Toni möchte die Königin aus dem Käfig auf den Tisch bringen und schwups – da fliegt sie dahin!! Aber Gottseidank nur ein paar Zentimeter und schnell war sie wieder eingefangen. Himmel wie aufregend!!

Die Königin wird nun so fixiert dass man zunächst einen Tropfen Kleber auf ihren Panzer und danach das Plättchen dort fixieren kann. Kurz antrocknen lassen und fertig! „Ganz einfach meine lieben Probeimker – und jetzt seid ihr dran.“ Waaas? Nun müssen wir herhalten! Aber natürlich nicht mit einer Königin. Wir üben an Drohnen. Die lieben dicken fetten Drohnen 🙂 Jeder musste also eine Drohne aus seiner Beute fangen und dann versuchen diese zu zeichnen. Gar nicht so leicht! Aber je ruhiger und gelassener man an die Aufgabe heran geht desto schneller und einfacher gelingt es einem. Ab jetzt krabbeln eben zwei gezeichnete Bienen in meiner Beute umher. Die Königin und die Drohne 🙂

Höhenflug – Drohne im Einsatz

A propos Drohne. Elias hat heute seine Drohne mitgebracht und phänomenale Luftaufnahme gemacht!! Vielen lieben Dank dafür an dieser Stelle! Die Felder und Wiesen schauen aus der Sicht der Bienen noch ein kleines bisschen schöner aus als sonst.

Imkeralltag – Völkerkontrolle

Die weitere Völkerkontrolle verlief relativ unspektakulär. Bei Wolfgang und Elias konnten wir bereits den Drohnenrahmen ausschneiden und somit hoffentlich einen Teil der verhassten Varroamilben entsorgen. Die ausgeschnittenen Waben landen im Anschluss im Sonnenwachsschmelzer. Bei diesen Temperaturen schafft es keine Milbe mehr.

Bei Frederic konnten wir keine Königin und auch keine frische Brut mehr finden. Kein gutes Zeichen. Jetzt heißt es bis nächsten Samstag warten wieder frische Brut vorhanden ist, dann ist die Königin noch da, oder ob wir nur „alte“ verdeckelte Brut vorfinden, dann brauchen wir eine neue Königin. Weiselzellen werden wir nächste Woche keine finden können, da keine frische Brut mehr zum Aufbau einer neuen Weiselzelle vorhanden ist. Im Ernstfall haben wir aber noch die Jungkönigin aus dem Ablegerkasten. Jetzt merken wir wie wichtig es ist früh genug mit der Ablegerbildung anzufangen!! So kann man eventuelle Verluste noch im gleichen Jahr ausgleichen.

Auf die Läuse kommt es an – Der Wald honigt!

Zum Abschluss hat Toni uns noch etwas ganz besonderes gezeigt. Eine Kolonie von Fichtenläusen (sogenannten Lachniden) die jetzt an Fichtentrieben zu finden sind. Was hat das nun mit unseren Honigbienen zu tun? Nun, die Fichte selbst liefert keinen Nektat, wohl aber ihre Parasiten, die Fichtenblattläuse. Sie erzeugen den Honigtau, das sind zuckerhaltige Ausscheidungen der Kolonien. Die Parasiten stechen dabei die Leitungsbahnen des Baumes an um sich zu ernähren und scheiden die überschüssigen Mengen von Kohlenhydraten in Form von Honigtau aus. Eine gute Grundlage für unsere zweite Honigschleuderung! Sofern kein heftiger Platzregen kommt, vermehren sich die Fichtenläuse in den nächsten Wochen und entwickeln sich zu einer starken Population bis Juni/Juli. Bei dem Wort ausscheiden darf man nicht an eine klassische Nahrungsverarbeitung wie bei höheren Lebewesen denken. Blattläuse haben keinen durchgehenden Darm vielmehr wird der Zuckerüberschuss lediglich als Honigtau abgesondert. Ein vergleichbarer Prozess wie bei der Ausscheidung von Nektar im Drüsengewebe von Pflanzen. Man braucht sich also keinesfalls davor ekeln. Für Bienen und Ameisen sind diese stark zuckerhaltigen und nährstoffreichen Ausscheidungen ein gefundenes Fressen. Die Honigbienen finden hier eine willkommene Nahrungsalternative zum Blütenhonig.

In diesem Sinne – bee open for all things