Nicht nur Honig – Pollen im Anflug!

Probeimkern 2019

wenn man die Woche Revue passieren lässt, war sie zweigeteilt. Ständiger Regen vehinderte in den ersten Tagen den Nektareintrag. Aber zur Wochenmitte hin wurde es deutlich besser und es herrschte bestes Bienenwetter. Immerhin zeigte die Waage eine Gewichtszunahme von 4,3kg an. Nicht unbedingt wahnsinnig viel, aber Zunahme bleibt Zunahme. Auch die Lachniden haben sich sehr gut weiter entwickelt, sodass wir im Anschluss an die Rapsblüte auf ein reichliches weiteres Trachtangebot hoffen können (neben der Himbeer- und Lindenblüte). Über die verschiedenen Trachtangebote im Jahresverlauf muss ich mich eindeutig intensiver informieren. Auf diesem Gebiet bin ich wahrlich noch ein kompletter Laie.

Pollenfarben – Bestimmung ihrer Herkunft

Toni zeigte uns zunächst seine Ausbeute einer Pollensammlung über zwei Tage in einem Wirtschaftsvolk. Ich bin überrascht wie viele Pollen es wirklich sind! Wenn man bedenkt wie klein und zierlich unsere Bienen sind dann ist das eine große Leistung. Ein Bienenvolk kann bis zu 80.000 „Pollenpakete“ am Tag sammeln und in der Beute eintragen. Das ist beeindruckend viel!

Neben Nektar unnd Gelee Royal bilden Pollen eine wertvolle Nahrungsquelle für unsere Bienen. Bienen sammeln Pollen um sie an ihre Brut zu verfüttern. Es ist die wesentliche Eiweißquelle im Volk. Pollen sind winzig kleine Körner, die von den Staubblättern der Blütenpflanzen abgesondert werden. Also eher Staub. Was wir als Pollen bezeichnen bzw. was wir als Pollen sehen ist somit eine große Ansammlung von den eben erwähnten Körnern (auch Höschen genannt). Unsere Bienen kneten bei dem Besuch der Blüten unter Zugabe von Nektar diese Höschen an ihre hinteren Beinchen um sie so zur Beute transportieren zu können. Die Befruchtung der Blütenpflanzen findet hier ganz nebenbei statt. Ich kann mich nur wiederholen: eine wahnsinns Leistung!

Die Pollen unterscheiden sich hier je nach Pflanzenfamilie in ihrem Aussehen in Form, Farbe, Größe und Beschaffenheit. Es gibt in der Literatur und auch im Internet unzählige Tabellen über Pollenfarben zur Bestimmung der Herkunft. Toni hat uns eine sehr umfangreiche Liste „Pollenfarben – Trachtpflanzen – Nektar- und Pollenangebot“ (© Josef Rosner 2013) empfohlen.

Kontrolle unserer Ableger

Die Kontrolle unserer Ableger war positiv! Die Königin hat angefangen Eier zu legen und kann nun gezeichnet werden. Drüber hinaus haben wir das Volk mit 15% Milchsäure behandelt. Da keine verdeckelte Brut vorhanden ist und in den nächsten Wochen keine Honigentnahme erfolgt ist eine Behandlung möglich. Da sich die Königin nun in der Eiablage befindet können die drei Waben sehr schnell zu klein für das Jungvolk werden. Deshalb haben wir es in einen 5-Waben-Kasten umgehängt.

Terminbestimmung – wann können wir nun endlich schleudern?

Die Kontrolle von Frederiks Volk brachte Klarheit über den Zustand. Es befanden sich viele verdeckelte Weiselzellen aber sonst keine offene Brut in den beiden Bruträumen. Es stellte sich deshalb die Frage, ob wir die junge Königin aus dem Ableger einweiseln sollten. Dazu hätten alle  Weiselzellen entfernt werden müssen. Wenn auch nur eine übersehen wird, dann hat die junge Königin keine Chance zu überleben. Bei 20 vollbesetzten Waben keine einfache Sache. Deshalb entschieden wir uns dafür, die Weiselzellen im Volk schlüpfen zu lassen und auf eine neue Königin zu hoffen. Die Kontrolle erfolgt dann am Tag der Schleuderung am 8.6. Wenn es damit nicht geklappt hat, dann haben wir den Ableger immer noch als Reserve.

Die weitere Völkerkontrolle dient zur Bestimmung des Schleudertermins. Ausschlaggebend ist die Reife des Honigs, speziell der Wassergehalt! Vor der Schleuderung muss der Wassergehalt des Honigs bestimmt werden. Dieser Parameter ist ausschlaggebend für die Qualität des Honigs. Befindet sich noch zu viel Wasser im Honig kann er Keime bilden oder er beginnt zu gären und verdirbt dadurch. Dann ist es ratsam mit dem Schleudertermin noch etwas zu warten. Wasserarme Honige sind reifer, weniger gärungsgefährdet und besitzen ein volleres Aroma.

Doch wie kann man den Wassergehalt messen? Hierfür gibt es drei Methoden. Zum einen Augenmaß 🙂 Waben mit frisch eingetragenen Nekatr tropfen wenn man sie schräg hält. Dieser Honig ist noch nicht reif genug. Wenn eine Honigwabe zu 2/3 verdeckelt ist ist das ein Anhaltspunkt, dass der Nektar soweit eingedickt wurde, sodass geschleudert werden kann. Eine zweite Methode ist die Spritzprobe! Mit dieser Methode kann man grob abschätzen ob der Honig reif für die Ernte ist. Am besten führt man diese Probe früh am Morgen durch, da die Bienen dann noch keinen frischen Nektar eingetragen haben. Man hält die Wabe mit unverdeckeltem Honig waagrecht in beiden Händen und „schüttelt“ bzw. stößt die Wabe nun ruckartig nach unten (nicht loslassen!!). Es darf dabei kein Honig aus den Zellen spritzen, anderfalls ist er noch nicht reif genug. Die Spritzprobe gibt einen ersten guten Hinweis, aber eine garantierte Aussage lässt sich nur mit einem Refraktometer machen.

Das Refraktometer ist ein optisches Messgerät zur Ermittlung des Zuckergehaltes im Honig. Damit kann man indirekt Rückschlüsse auf den Wassergehalt des Honigs treffen. Dieser darf max. 19% betragen. Die Bestimmung mit dem Refraktometer ist einfach. Der Honig muss klar-flüssig sein. Ist er bereits kristallisiert, sollte er vor dem Auftragen auf dem Refraktometer erhitzt werden und für die Messung wieder auf etwa 20 Grad abgekühlt werden. Nun gibt man einen Tropfen Honig auf das Messgerät. Zum Ablesen hält man das Gerät ins Licht. Nun sieht man den Wert auf der Skala deutlich.

Bei unseren Völkern hängen wir nun die voll verdeckelten Waben der starken Völker in die schwächeren um, um eine gleichmäßige Verteilung von leeren und vollen Waben zu erhalten. So können am eigentlichen Schleudertermin alle Völker auf einmal abgeernet werden. Wir haben für die nächsten zwei Wochen noch genug Platz, sodass wir den Scheludertermin erst auf den übernächsten Samstag gelegt haben. Wir müssen uns noch ein bisschen gedulden und hoffen das unsere Bienen bis dahin noch genug Zeit haben um Nektar einzutragen und diesen auch genügend zu trocknen.

In diesem Sinne – bee patient