Theoriestunde

Theoriestunde

Das Wetter hat uns heute einen Strich durch die Rechnung gemacht. Es war einfach zu kalt (unter 10° Celsius) und zu nass. Da wir letztes Mal penibelst auf etwaige Weiselzellen geachtet haben und alle entfernt bzw. in den Ablegerkasten gesetzt haben, ist die Gefahr des Schwärmens gering. Eine Königin braucht 16 Tage bis zum Schlüpfen und selbst wenn die Bienen direkt nach unserem Besuch letzte Woche eine neue Weiselzelle gebaut haben, befinden wir uns immer noch in der Entwicklungsphase der Königin und würden sie theoretisch noch vor dem Schlüpfen bei der Durchsicht nächste Woche erwischen. Aber, ganz wichtig: nächste Woche müssen wir eine Durchsicht vornehmen, egal wie das Wetter wird!!! Außerdem haben wir noch genug Platz in den Beuten, sodass die Königinnen weiterhin fleißig legen können. Darüber hinaus haben wir alle noch recht junge Königinnen (von 2018). Das Schwarmrisiko sollte sich also auf einem Minimum befinden. Somit steht der Theorie heute nichts im Wege! Wir haben uns den folgenden drei Hauptthemen gewidmet: Varroabehandlungskonzept, Schwarmverhinderung und Ablegerbildung und das Einfüttern der Bienen nach dem Ausschleudern.

Das Varroabehandlungskonzept

Ein komplett milbenfreies Bienenvolk gibt es nicht. Das wäre ja wie ein Haus ohne Staub oder ein Keller ohne Spinnen. Das Bestreben eines jeden Imkers sollte deshalb sein die Anzahl der Varroen unter einer Schadschwelle von 1000 Milben zu halten sodass sie keine Gefahr für das Volk darstellt. Die Varroabehandlung muss während des gesamten Bienenjahres durchgeführt werden. In den letzten Jahren hat sich ein einheitliches dreiteiliges Behandlungskonzept entwickelt. Zunächst muss aber zwischen einem Wirtschaftsvolk und Schwärmen, Ablegern und brutfreien Völkern unterschieden werden. Ein Wirtschaftsvolk darf vor der Ausschleuderung (der letzten Honigernte) nicht mit Säure behandelt werden. Somit bleibt hier als erste Maßnahme nur der Drohnenschnitt. Schwärme, Ableger und brutfreie Völker hingegen können mit Oxalsäure besprüht werden. Nach dem Ausschleudern Ende Juli, kommen dann auch bei den Wirtschaftsvölkern die Ameisensäureverdampfer zum Einsatz. Ohne ein Varroabehandlungskonzept würden sich die Milben explosionsartig vermehren und das Volk extrem schwächen bzw. eventuell auch komplett vernichten.

Varroa-Behandlungskonzept-Andermatt-BioVet-GmbH

Wie in der Grafik schön zu erkennen gibt es mehrere Behandlungsschritte zu den unterschiedlichsten Zeiten. Die Sommerbehandlungen ab Ende Juli bekämpfen die Milben, die sich auf den Bienen und in den offenen Zellen befinden. Milben in verdeckelten Zellen werden dadurch aber leider nicht zerstört. Deshalb ist im November/Dezember eine Winterbehandlung (mit Oxalsäure) notwendig. Nun ist das Volk nämlich brutfrei. Trotz aller Behandlungen ist eine konsequente Kontrolle des Milbenbefalls extrem wichtig. Dabei wird der Behandlungserfolg bzw. eine eventuelle Reinvasion der Milben überprüft. Ist dies der Fall muss ggf. erneut behandelt werden.

Lang lebe die Königin – Schwarmverhinderung

In einem Bienevolk kann es nur eine Königin geben. Nur eine ist an der Macht und hat die Kontrolle über das Volk und die Brut. Sobald in einem Volk Weiselzellen gezogen werden, besteht die Gefahr, dass die alte Königin vor dem Schlpüfen der Jungkönigin, mit einem Teil der Bienen schwärmt. Das Volk teilt sich folglich. Das möchten wir Imkern grundsätzlich verhindern. Zumindest das unkontrollierte Schwärmen. Wir können uns diese Entwicklung zu Nutze machen und Ableger ziehen. Unsere Völker somit vermehren. Dazu nimmt man die Brutwabe mit den Weiselzellen heraus und hängt sie mit einer weiteren Futterwabe oder mit Futterteig in einen Ablegerkasten. Darüber hinaus gibt man noch ein paar Ammenbienen hinzu, sodass sich fleißg um die Brut gekümmert wird. Eine Königin schlüpft am 16ten Tag. Nachdem sie geschlüpft ist muss sie noch einen Begattungsflug absolvieren. Wenn sie nach diesem Flug wieder zurück kommt, fängt sie in der Regel etwa 1 Woche danach zum legen an und entwickelt sich bis zum Herbst zu einem stabilen Jungvolk, das mit 10 Waben gut überwintern kann. Das Volk, dem die Brutwabe mit der Weiselzelle entnommen wurde, hat nun wieder leere Waben und weniger Bienenmasse. Dadurch imitieren wir dass ein Schwarm das Volk verlassen hat. Der Schwarmtrieb sollte nun zunächst gebannt sein. Dennoch ist eine konsequente Kontrolle dringend notwendig!

Ein weiterer Weg den Schwarmtrieb zu minimieren ist, anstatt die Brutwabe mit der Weiselzelle in einen Ablegerkasten zu geben, nimmt man die vorhandene alte Königin mit etwas Bienenmasse und gibt diese in den Ablegerkasten. So kann die Jungkönigin im vorhanden Volk schlüpfen und zur Begattung ausfliegen und wenn sie wieder zurück kommt ist das sehr gut, wenn aber nicht, dann kann man die alte Königin auch wieder in das Volk geben und vereinen.

Ist einem doch einmal ein Schwarm entwischt und er befindet sich noch in greifbarer Nähe, so kann man diesen auch wieder einfangen. Toni hat uns eine sehr einfache Methode erklärt. Er hat einen Eimer (einen Mülleimer von einer erfolgreichen Schwedischen Möbelkette – dieser ist sehr praktisch da er Löcher hat und somit Luft hindurchlässt), ein leichtes Tuch und ein Seil. Der Eimer wird unter dem Schwarm positioniert und festgehalten. Nun muss man mit einem kräftigen Ruck an dem Ast die Bienenmasse herunter „schlagen“ sodass sie in den Eimer fällt. Mit etwas Glück ist die Königin dabei! Der Eimer muss nun mit dem Tuch abgedeckt werden und kann dann in eine neue Beute (bzw. natürlich auch in die alte Beute) gegeben werden. Ihr seht, es gibt einige Methoden das Schwärmen zu verhindern bzw. sich zu Nutze zu machen um neue Völker heran zu ziehen. Ich muss noch sehr viel lernen!!!

Der Winter naht – die Einfütterung

Da wir den Bienen ja ihren Honig entnehmen sind wir auch in der Verantwortung dass unsere Bienen mit genug Futter über den Winter kommen. Hierbei müssen wir also die erforderliche Menge an Futterbereitstellen. Ein Wirtschaftsvolk mit zwei Zargen benötigt in etwa 20kg Zucker. Hier kann man zum Beispiel mit Zuckerwasser (Mischung 1:1 Zucker:Wasser) zufüttern. Handelsüblicher Zucker ist dabei völlig in Ordnung. Eine Alternative ist ein fertiger Invertfuttersirup. Hier ist der Zucker bereits aufgespalten und dadurch können die Bienen ihn leichter zu Winterfutter verarbeiten. Die Einfütterung erfolgt mittels eines Eimers oder eines Futtergeschirrs, abhängig von der Betriebsweise. Eine weitere Alternative ist noch Futterteig. Der Vorteil hierbei ist, dass es zu weniger Futterräuberei kommt. Allerdings müssen die Bienen sehr viel arbeiten um das Futter zu verwerten und gebrauchen zu können und das wäre im Winter unvorteilhaft. Für uns dient Futterteig somit nur als Notfall im Frühjahr (um eine Notfütterung durchzu führen). Wir haben uns alle für einen fertigen Sirup entschieden und auch bereits über Toni bestellt. Somit ist alles bereit für die Fütterung.

Das Einfüttern erfolgt dann im August, nach der letzten Schleuderung.

In diesem Sinne – bee hungry!!